Herdenschutz
Aufgaben von Nutztierhaltern
Herdenschutz bezeichnet alle Maßnahmen, mit denen Nutztierhalter ihre Weidetiere vor Angriffen durch große Beutegreifer schützen.
Herdenschutz beginnt am Heimbetrieb im Stall. Eine gesunde Herde ist Voraussetzung für wirksame Schutzmaßnahmen: nur gesunde Tiere dürfen auf die Weide und müssen dafür gut vorbereitet sein. Die Tiere sollten eine passende Statur und Robustheit mitbringen, gesunde und gepflegte Klauen haben und regelmäßig entwurmt sein. Nach dem Winter ist eine langsame Gewöhnung an die Weide und frisches Grünfutter wichtig. Notwendige Impfungen sollten rechtzeitig, vor der Weidesaison, erfolgen. Die Laktation sollte gezielt geplant und Geburten auf der Alm vermieden werden. Zu bedenken ist auch die Zusammensetzung der Tiergruppe in Hinblick auf Alter und Geschlecht. Jungtiere benötigen einen erhöhten Schutz. Es ist sicherzustellen, dass verletzte oder verunglückte Tiere schnell versorgt und gegebenenfalls abtransportiert werden können. Entscheidungen über Tierzusammensetzung und Fütterung wirken sich dabei unmittelbar auf den Zustand der Weide aus.
Um Herdenschutzmaßnahmen auf der Alm umsetzen zu können, braucht es einen Hirten. Darüber hinaus setzt der Hirte gelenkte Weideführung zur effizienten und nachhaltigen Nutzung der Weideflächen um. Durch die kontinuierliche Betreuung der Herde gewährleistet er unter anderem Tierwohl und Tiergesundheit. Da der Hirte den Großteil seiner Arbeitszeit unmittelbar bei der Herde verbringt, ist eine geeignete Infrastruktur im Einsatzgebiet, insbesondere hinsichtlich Unterbringung und Versorgung, erforderlich. In gezielten Ausbildungsmaßnahmen erlangen Hirten fundierte Kenntnisse in folgenden Bereichen: Tierbiologie- und Gesundheit, Weidemanagement, Herdenführung, Herdenschutz, Einsatz von Herdengebrauchshunden, Arbeitssicherheit und rechtliche Vorgaben. Körperliche Fitness, psychische Belastbarkeit sowie die Fähigkeit eigenständig Entscheidungen zu treffen und umzusetzen, sind grundlegende Voraussetzungen, um als Hirte arbeiten zu können.
Herdenschutzmaßnahmen:
- Herdenschutzzäune
Ein Elektrozaun, der die Kriterien eines Herdenschutzzaunes erfüllt, schützt Weidetiere vor Übergriffen. Er ist eine einfache und effektive Lösung bei Auftrieben oder auf kleineren Niederalmen. Regelmäßige Kontrolle und Wartung sind jedoch wichtig. Für Schafe können mobile Weidezaunnetze genutzt werden, welche bei richtiger Bauweise eine gute wolfsabweisende Wirkung haben. Eine konstante Stromversorgung von mindestens 3500 Volt ist Voraussetzung für einen effektiven Herdenschutzzaun. Detailinformationen siehe Link: Broschüre Technischer Herdenschutz. - Herdenschutzhunde
Herdenschutzhunde sind speziell gezüchtete und ausgebildete Hunde, die eigenständig und dauerhaft mit der Herde leben, um sie vor Beutegreifern und streunenden Hunden zu schützen. Sie arbeiten ohne direkte Kommandos und zeichnen sich durch Wachsamkeit, Zuverlässigkeit und Schutzverhalten aus. In Österreich müssen eingesetzte Hunde gemäß 2. Tierhaltungsverordnung durch das Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs zertifiziert werden. - Nachtschutz
Beutegreifer jagen hauptsächlich nachts. Ein Pferch bietet eine gute Möglichkeit, Weidetiere über Nacht zu schützen. Um die Tiergesundheit (Parasitendruck, Klauengesundheit) zu gewährleisten, sollte der Pferch je nach Boden- und Pflanzenzustand spätestens nach zwei Nächten gewechselt werden. Die Tiere müssen lernen, abends in den Pferch zu gehen und ihn erst morgens wieder zu verlassen. Ein gut gebauter Almstall bietet ebenfalls hohen Schutz. Die Größe eines Pferches sollte der Herdengröße angepasst sein: Für Schafe, je nach Standortbedingung (Boden, Neigung, Futterangebot), sind etwa 2,5 bis 3 m² pro Mutterschaf empfehlenswert, während für Rinder je nach Herde (Mutterkühe, Kälber, Behornung) 8 bis 16 m² pro Tier eingeplant werden sollten. - Vergrämungsmaßnahmen
Unter Vergrämen versteht man eine kurzzeitige Abschreckung auffälliger Beutegreifer. Gezielte Maßnahmen in Kombination mit Elektrozäunen (z. B. Blinklicht, Flatterband, Lärm) können bei akuten Vorfällen als Ergänzung dienen und erreichen lediglich eine ortsgebundene Verhaltensänderung. Konkrete, erlaubte Maßnahmen sind bei den zuständigen Behörden abzuklären. Gezielte Vergrämungsmaßnahmen können Maßnahmen des Herdenschutzes und der Schadensprävention nicht ersetzen, nur ergänzen. Details dazu finden Sie im Dokument Wolfsmanagement in Österreich: Grundlagen und Empfehlungen.
Ziel des Herdenschutzes ist es, Übergriffe durch große Beutegreifer möglichst zu verhindern. Einige Bundesländer fördern Maßnahmen zum Herdenschutz siehe: Hilfe bei Prävention und Förderung.