DNA-Analytik
Genetische Analysen sind ein zentraler Bestandteil des Monitorings großer Beutegreifer in Österreich.
Sie liefern wichtige Informationen zur Individuenzahl, Verwandtschaft innerhalb einer Population sowie zur Zuwanderung von Wölfen aus Nachbarregionen.
Probenmaterial wird ganzjährig und nichtinvasiv gesammelt (z. B. Kot, Urin im Schnee, Haare, Speichel, Tupferproben an gerissenen Tieren). Eine gute Probenqualität ist für die erfolgreiche DNA-Analyse entscheidend.
In Österreich analysiert das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni Vienna alle genetischen Proben mit Wolfsverdacht. Dabei werden bis zu drei Analysen durchgeführt:
- Art- und Herkunftsbestimmung: über mitochondriale DNA (Haplotyp).
- Abgrenzung zu Hunden und Hybriden: über das Amylase-Gen.
- Individuenbestimmung (Genotyp): über Mikrosatellitenmarker (HTS).
Das FIWI steht im Austausch mit Genetiklaboren, welche die Proben der Nachbarländer auswerten. Eine lückenlose grenzüberschreitende Nachverfolgung einzelner Tiere ist derzeit jedoch noch nicht möglich.
acht verschiedene Labors DNA-Proben von Wölfen
Im Alpenraum untersuchen insgesamt acht verschiedene Labors DNA-Proben von Wölfen: US Forest Service National Genomics Center (Piemont), RAVA Lab (Aostatal), ISPRA (restliches Italien), Uni Lausanne (Schweiz), OFB-Antagene (Frankreich), Universität Ljubljana (Slowenien), Senckenberg (Deutschland) und das FIWI (Österreich). Außeralpin hat das Labor für Tschechien an der Universität Prag sich mit dem Labor in Senckenberg abgestimmt. In der Slowakei und in Ungarn gibt es keine routinemäßige DNA-Analyse von Wolfsproben.
In Österreich findet ein Vergleich neu bestimmter Genotypen mit dem Senckenberg-Labor in Deutschland standardmäßig für Wölfe aus der mitteleuropäischen Tieflandpopulation (nördliche Quellpopulation, Haplotypen H1 und H2, siehe die Arbeit von Pilot 2010) und bei begründetem Verdacht auch für Wölfe aus anderen Quellpopulationen statt. Aktuell werden jedoch noch keine grenzüberschreitenden Bewegungen von einzelnen Individuen vollständig nachvollzogen.
Die Ergebnisse der Haplotypen-Bestimmung verschiedener Labors sind durchwegs gut vergleichbar (Analyse der mitochondrialen DNA zur Artbestimmung und Herkunfts-bestimmung). Alle beteiligten Labors untersuchen dieselbe Kontrollregion in der DNA, das Ergebnis ist die Sequenz der Basenpaare dieses DNA-Abschnitts unabhängig von der angewandten Methode und verwendeten technische Ausrüstung. Unterschiede gibt es allenfalls in der Länge des untersuchten Abschnitts. Slowenien bestimmt grundsätzlich keine Haplotypen.